Ratgeber · Leberwerte
Leberwerte und MPU: was GGT, GOT, GPT und CDT verraten
Bei einer MPU wegen Alkohol werden fast immer Blutwerte bestimmt. Viele fragen sich, ob ihre Leberwerte reichen, wie schnell sie sich normalisieren und ob sie als Abstinenznachweis zählen. Hier erkläre ich, welche Werte geprüft werden und was sie für Ihre MPU bedeuten.
Von Kinga Lohner, B.Sc.-Psychologin und Heilpraktikerin für Psychotherapie
Kurz gesagt
Bei der medizinischen Untersuchung werden meist GGT, GOT und GPT bestimmt, oft auch MCV und CDT.
Erhöhte Werte können auf regelmäßig hohen Alkoholkonsum hinweisen – sie können aber auch andere Ursachen haben.
Normale Leberwerte sind kein Abstinenznachweis. Dafür braucht es ein Kontrollprogramm mit Urin- oder Haaranalysen.
Wichtig ist, dass Ihre Werte zu Ihren Angaben im Gespräch passen.
Werte
Welche Blutwerte werden bei der MPU geprüft?
1
GGT (Gamma-GT) – reagiert empfindlich auf regelmäßigen Alkoholkonsum. Nach einer Trinkpause sinkt der Wert meist innerhalb einiger Wochen.
2
GOT und GPT – zeigen, ob Leberzellen geschädigt sind. Sie sind weniger spezifisch für Alkohol, werden aber fast immer mitbestimmt.
3
MCV – die durchschnittliche Größe der roten Blutkörperchen. Sie kann bei längerem, hohem Alkoholkonsum steigen und normalisiert sich nur langsam, über mehrere Monate.
4
CDT – gilt als vergleichsweise spezifischer Hinweis auf über längere Zeit hohen Alkoholkonsum.
Welche Werte genau bestimmt werden, entscheidet die Begutachtungsstelle. Die Blutentnahme gehört zur medizinischen Untersuchung am MPU-Tag.
Bedeutung
Was erhöhte Werte bedeuten – und was nicht
Erhöhte Leberwerte allein sind kein Beweis für Alkoholmissbrauch. Auch Medikamente, Übergewicht, eine Fettleber oder andere Erkrankungen können sie beeinflussen. Wenn es bei Ihnen solche Gründe gibt, bringen Sie ärztliche Unterlagen dazu mit.
Schwierig wird es, wenn die Werte nicht zu Ihren Angaben passen – etwa wenn Sie Abstinenz angeben, die Werte aber auf aktuellen Konsum hindeuten. Dann leidet die Glaubwürdigkeit im Gespräch.
Unsicher, was Ihre Werte für die MPU bedeuten?
Im Erstgespräch sehen wir uns Ihre Unterlagen an und klären, welche Nachweise Sie brauchen.
Nachweis
Sind Leberwerte ein Abstinenznachweis?
Nein. Leberwerte zeigen nur grob, wie viel jemand in den letzten Wochen getrunken hat. Einzelne Trinkereignisse erkennen sie nicht zuverlässig. Wenn bei Ihnen Abstinenz verlangt wird, brauchen Sie ein Kontrollprogramm mit unangekündigten Urinkontrollen oder Haaranalysen auf EtG.
Wenn ein kontrollierter Umgang mit Alkohol bei Ihnen in Frage kommt, können unauffällige Leberwerte Ihre Angaben unterstützen.
Tipps
Was Sie vor der MPU tun können
1
Werte früh prüfen lassen – eine Blutuntersuchung beim Hausarzt zeigt Ihnen, wo Sie stehen. Als Nachweis zählt sie nicht, aber Sie erleben am MPU-Tag keine Überraschung.
2
Andere Ursachen belegen – Befunde zu Medikamenten oder Erkrankungen gehören zu Ihren Unterlagen.
3
Ehrlich bleiben – Ihre Angaben im Gespräch sollten zu Ihren Werten und zur Akte passen.
Häufige Fragen
Wie schnell normalisieren sich die Leberwerte?
Das ist individuell. Der GGT-Wert sinkt nach einer Trinkpause oft innerhalb einiger Wochen, das MCV braucht mehrere Monate. Verlassen Sie sich nicht auf eine kurze Pause vor dem Termin – das passt meist nicht zum Gesamtbild.
Können gute Leberwerte die MPU retten?
Allein nicht. Entscheidend ist das psychologische Gespräch und – wenn gefordert – ein anerkannter Abstinenznachweis.
Werden die Leberwerte auch bei einer Drogen-MPU geprüft?
Bei einer Drogen-MPU geht es vor allem um Drogenscreenings. Leberwerte können trotzdem Teil der medizinischen Untersuchung sein.
Über die Autorin
Kinga Lohner
B.Sc.-Psychologin und Heilpraktikerin für Psychotherapie. Ich bereite Menschen in meiner Praxis in Regenstauf und online in Einzelsitzungen auf die MPU vor.
Weitere Ratgeber
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